Kurz vor dem Herbst passiert in vielen Gebäuden etwas Kurioses: Am Morgen wird das Gebäude aufgeheizt und schon kurze Zeit später wird es wieder aktiv gekühlt. Manchmal arbeiten beide Systeme sogar gleichzeitig. Für Gebäudebetreiber bedeutet dieser unsichtbare Wettbewerb vor allem höhere Energie- und Betriebskosten. Die gute Nachricht: Oft lässt sich der Energieverbrauch mit überschaubarem Aufwand senken, ohne den Komfort im Gebäude zu beeinträchtigen.
Nachdem wir Im Winter in Teil 1 die richtige Einstellung der Heizkurve und im Sommer in Teil 2 die Optimierung der Klimakälte betrachtet haben, bringt Teil 3 beide Welten zusammen. Sie erfahren, wie Sie Heiz-Kühlkonflikte erkennen und vermeiden und Ihre Regelung vor Herbstbeginn selbst prüfen.

Was Wichtigste in Kürze
- Wenn Heizung und Kühlung Seilziehen spielen
Sie erkennen typische Merkmale und finden mit wenigen Kontrollen heraus, weshalb Räume gleichzeitig beheizt und gekühlt werden. - Die Gebäudeautomation als Schiedsrichter
Sie erfahren, wie Sollwerte, Totzonen und Verriegelungen das gleichzeitige Heizen und Kühlen zuverlässig begrenzen. - Fazit: Erst prüfen, dann optimieren
Eine einfache Regelungsprüfung schafft schnell Klarheit und kann unnötigen Energieverbrauch ohne grosse Investition reduzieren.
Heiz-Kühlkonflikte erkennen: typische Ursachen und Merkmale
Ein Heiz-Kühlkonflikt entsteht, wenn eine Zone Wärme erhält, obwohl gleichzeitig Kühlenergie eingesetzt wird. Besonders häufig zeigt sich dieses Phänomen in der Übergangszeit. Kühle Morgenstunden, starke Sonneneinstrahlung am Nachmittag und unterschiedlich genutzte Räume stellen die Gebäudetechnik auf eine kleine Tagesreise durch mehrere Jahreszeiten.
Nicht jedes gleichzeitige Heizen und Kühlen ist automatisch falsch. In einem Gebäude können Nordräume Heizbedarf haben, während südlich ausgerichtete Sitzungszimmer bereits gekühlt werden müssen. Problematisch wird es, wenn sich Heizung und Kühlung im selben Zonen oder ohne sinnvolle Abstimmung gegenseitig Energie vernichten.
Typische Ursachen sind überlappende Heiz- und Kühlsollwerte, zu geringe Temperaturabstände zwischen Heiz- und Kühlbetrieb, ungeeignete Betriebszeiten oder fehlende gegenseitige Verriegelungen in der Gebäudeautomation.
Auch ungünstig platzierte, falsch parametrierte oder ungenaue Temperaturfühler können dazu führen, dass die Regelung auf Bedingungen reagiert, die nicht den tatsächlichen Raumverhältnissen entsprechen.
Zusätzlich sollte auf eine ruhige und stabile Ventilregelung geachtet werden. Zu schnelles Öffnen und Schliessen der Ventile kann zu einem Pendelbetrieb führen und damit unnötige Heiz- und Kühlvorgänge verursachen. Sinnvoll sind ausreichend grosse Totzonen, passende Hysteresen sowie angepasste Stellzeiten der Ventile.
Ziel sollte sein, dass Heiz- und Kühlbetrieb klar voneinander getrennt sind und die Regelung möglichst stabil auf die tatsächlichen Raumtemperaturen reagiert.
Minicheckliste für Ihre Regelungsprüfung:
- Prüfen Sie, ob Heiz- und Kühlsignale einer Zone gleichzeitig aktiv sind.
- Vergleichen Sie die eingestellten Heiz- und Kühlsollwerte.
- Kontrollieren Sie Betriebszeiten, Wochenprogramme und Saisonumschaltungen.
- Beobachten Sie auffällige Temperatur- oder Energieverläufe während mehrerer Tage.
- Klären Sie, wer Sollwerte ändern und deren Wirkung kontrollieren darf.
Ein Energiemonitoring mit übersichtlichen Lastgängen erleichtert diese Prüfung. Statt durch einzelne Untermenüs zu klicken, sehen Sie, wann Wärme und Kälte tatsächlich bezogen werden und ob das Verhalten zum Gebäudebetrieb passt.
Gleichzeitiges Heizen und Kühlen mit Gebäudeautomation vermeiden
Die Gebäudeautomation übernimmt idealerweise die Rolle eines guten Schiedsrichters: Sie lässt Heizung und Kühlung nicht unkontrolliert gleichzeitig aufs Spielfeld.
Ein wichtiges Instrument ist die sogenannte Totzone. Damit wird ein Temperaturbereich zwischen Heiz- und Kühlsollwert definiert, in dem weder geheizt noch gekühlt wird. Liegt der Heizsollwert beispielsweise unter dem Kühlsollwert, kann sich die Raumtemperatur innerhalb dieses Komfortbereichs bewegen, ohne dass die Anlagen bei jeder kleinen Abweichung reagieren.
Zusätzlich kann eine softwareseitige Verriegelung verhindern, dass eine Zone gleichzeitig Heiz- und Kühlleistung anfordert. EnergieSchweiz empfiehlt, eine solche Verriegelung durch den Anbieter der Mess-, Steuer- und Regeltechnik prüfen oder nachrüsten zu lassen, falls sie in der Steuerung fehlt.
Ebenso wichtig sind passende Zeitprogramme und Saisonfreigaben. Eine starre Umschaltung nach Kalender funktioniert in der Übergangszeit nicht immer zuverlässig. Aussentemperaturen, Gebäudeträgheit und interne Wärmelasten verändern sich schneller als ein Datum im Kalender.
Aha-Moment: Häufig braucht es keine neue Anlage. Bereits die Optimierung von Betriebszeiten, Heizkurven und Steuerungen kann gemäss Tetrag bei geeigneten Anlagen ein Einsparpotenzial von 10 bis 30 Prozent erschliessen.
Beginnen Sie deshalb nicht mit einem grossen Umbau, sondern mit einer klar begrenzten Prüfung:
- Wählen Sie eine auffällige Zone oder Anlage.
- Dokumentieren Sie Sollwerte und Betriebszeiten.
- Vergleichen Sie Heiz- und Kühlsignale über mehrere Tage.
- Passen Sie jeweils nur eine Einstellung an.
- Prüfen Sie anschliessend Komfort und Energieverbrauch.
Dieses Vorgehen macht die Regelungsoptimierung nachvollziehbar. Es verhindert, dass mehrere Änderungen gleichzeitig vorgenommen werden und später niemand mehr weiss, welche davon tatsächlich gewirkt hat.
Häufig gestellte Fragen
Ist gleichzeitiges Heizen und Kühlen immer ineffizient?
Nein. Unterschiedlich ausgerichtete oder genutzte Gebäudebereiche können gleichzeitig Wärme und Kälte benötigen. Ineffizient wird es, wenn dieselbe Zone gleichzeitig beheizt und gekühlt wird oder die erzeugte Wärme und Kälte nicht sinnvoll genutzt beziehungsweise zurückgewonnen werden.
Wie erkenne ich einen Heiz-Kühlkonflikt ohne Energiemonitoring?
Prüfen Sie Raumtemperaturen, Ventilstellungen, Sollwerte, Betriebszeiten und aktive Heiz- beziehungsweise Kühlsignale direkt in der Gebäudeautomation. Ein Energiemonitoring vereinfacht die Analyse jedoch deutlich und macht zeitliche Überschneidungen schneller sichtbar.
Welche Einstellung sollte zuerst geprüft werden?
Beginnen Sie mit den Heiz- und Kühlsollwerten derselben Zone. Prüfen Sie anschliessend die Totzone, Zeitprogramme und eine mögliche gegenseitige Verriegelung.
Muss für die Optimierung investiert werden?
Oft reichen Anpassungen an vorhandenen Sollwerten, Betriebszeiten oder Regelungsfunktionen. Falls Messwerte fehlen oder die Gebäudeautomation keine geeignete Verriegelung unterstützt, können ergänzende Investitionen sinnvoll sein.
Fazit: Regelungsoptimierung senkt den Energieverbrauch
Wer Heiz-Kühlkonflikte erkennen und vermeiden möchte, braucht zunächst keine komplizierte Analyse. Eine ausgewählte Zone, wenige relevante Daten und eine strukturierte Prüfung reichen für den Einstieg.
Sauber abgestimmte Sollwerte, ausreichende Totzonen und klare Verriegelungen reduzieren unnötige Energie- und Betriebskosten. Gleichzeitig wird der Anlagenbetrieb ruhiger, verständlicher und einfacher zu betreuen.
Prüfen Sie Ihre Regelung vor dem Herbstbeginn. So starten Heizung und Kühlung nicht in ein technisches Tauziehen, sondern arbeiten als eingespieltes Team.
👉 Regelung mit der Checkliste selbst prüfen: Betriebsoptimierung gebäudetechnischer Anlagen
👉 Kostenlose Erstberatung mit Tetrag vereinbaren: Energieberatung für Gebäude und Anlagen
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Simon Lipp: Bereichsleiter Betriebsoptimierung
Simon Lipp verfügt über fundierte Fachkenntnisse in der energetischen Betriebsoptimierung im Bereich der Gebäudetechnik. Dank seiner Ausbildung zum Wirtschaftsingenieur FH sowie seinem technischen Hintergrund als Elektromonteur bringt er sowohl praxisnahes als auch strategisches Know-how ins Energiemanagement ein. Seine Expertise umfasst Consulting, Energiemonitoring und die gezielte Energieoptimierung. Durch seine interdisziplinäre Ausbildung ist er in der Lage, effiziente Energielösungen ganzheitlich zu betrachten und umzusetzen.