Alle wollen, keiner startet. Wie läuft’s jetzt? | Teil 2/6
Der gute Vorsatz ist gefasst, die Zuständigkeiten sind geklärt und alle sind motiviert. Wunderbar! Doch dann kommt die Frage, die so manches Energieprojekt ausbremst: Wie geht es konkret weiter?
Im Facility Management fehlt oft die Zeit für umfangreiche Analysen. Die Geschäftsleitung möchte Ergebnisse sehen, während die Technik bereits mögliche Verbesserungen kennt. Was jetzt hilft, ist kein weiteres Strategiepapier, sondern ein einfacher Ablauf, der aus Ideen umsetzbare Massnahmen macht.
In Teil 1 unserer Blogserie haben wir gezeigt, wie Sie Aufgaben und Verantwortung sinnvoll verteilen. Jetzt bringen wir Bewegung ins Spiel: von der ersten Standortbestimmung bis zur messbaren Einsparung.

Das Wichtigste in Kürze
- Erst schauen, dann schrauben
Wie Sie mit vorhandenen Energiedaten und einem einfachen Gebäudecheck die besten Ansatzpunkte finden, ohne gleich ein Grossprojekt zu starten. - Vom Papier in den Technikraum
Wie Sie Massnahmen priorisieren, Verantwortliche einbinden und mit überschaubarem Aufwand erste Ergebnisse erzielen. - Fazit: Kleine Schritte, sichtbare Erfolge
Weshalb ein einfacher Massnahmenplan oft mehr bewirkt als ein perfektes Konzept, das auf seine Umsetzung wartet.
Erst schauen, dann schrauben: Die Standortbestimmung
Wer Energiekosten senken möchte, muss nicht jedes technische Detail kennen. Entscheidend ist zunächst, herauszufinden, wo Energie verbraucht wird und welche Anlagen besonders ins Gewicht fallen.
Eine Standortbestimmung muss dafür keine monatelange Untersuchung sein. Beginnen Sie mit vorhandenen Energierechnungen, Zählerdaten und den Erfahrungen Ihres Betriebsteams. Häufig liefern bereits die Betriebszeiten von Heizungs-, Lüftungs- und Kälteanlagen interessante Hinweise.
Ein Beispiel: Eine Lüftungsanlage läuft jeden Samstag, obwohl das Bürogebäude praktisch leer steht. Technisch funktioniert alles einwandfrei. Wirtschaftlich könnte eine Anpassung der Betriebszeiten jedoch sinnvoll sein.
Genau solche Beobachtungen machen die energetische Betriebsoptimierung interessant. Bevor neue Anlagen angeschafft werden, lohnt es sich zu prüfen, ob die bestehende Technik optimal eingestellt ist.
Der Praxistipp: Drei Fragen für Ihren ersten Rundgang
Nehmen Sie sich eine Viertelstunde mit der verantwortlichen Person aus der Gebäudetechnik. Prüfen Sie gemeinsam:
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Wo entstehen die grössten Energie- und Betriebskosten?
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Welche Anlagen laufen länger oder intensiver als notwendig?
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Welche Verbesserungen sind mit wenig Aufwand realisierbar?
Notieren Sie die Erkenntnisse auf einer Seite. Damit haben Sie bereits die Grundlage für Ihren ersten Massnahmenplan.
Vom Papier in den Technikraum: Der Massnahmenplan
Jetzt wird es spannend. Aus einer Sammlung guter Ideen soll ein Plan entstehen, der im Betriebsalltag tatsächlich funktioniert.
Der Trick: Nicht alles gleichzeitig angehen. Eine Massnahme, die schnell umsetzbar ist und einen wirtschaftlichen Nutzen verspricht, kann der ideale Einstieg sein.
Bei der Priorisierung helfen drei Kriterien: erwartete Einsparung, Umsetzungsaufwand und Einfluss auf die Betriebssicherheit. Eine Anpassung der Zeitprogramme lässt sich beispielsweise oft einfacher realisieren als der Ersatz einer kompletten Anlage.
Eine praktische Unterstützung bietet auch EnergieSchweiz: Auf deren Webseite zur energetischen Betriebsoptimierung finden Sie hilfreiche Anleitungen, um Massnahmen gezielt auszuwählen, umzusetzen und deren Wirkung zu überprüfen.
Ein einfacher Ablauf in vier Schritten
- Standort bestimmen
Verbrauch, Kosten und Betriebszeiten sichten - Massnahmen priorisieren
Nutzen, Aufwand und technische Risiken abwägen - Umsetzung organisieren
Verantwortliche, Termin und Freigabe festlegen - Erfolg kontrollieren
Verbrauch und Betrieb vor und nach der Anpassung vergleichen
Für jede Massnahme reichen zunächst wenige Angaben: Was wird verändert? Wer übernimmt die Umsetzung? Bis wann? Und woran erkennen wir den Erfolg?
So bleibt der administrative Aufwand klein und die Verantwortung klar. Das Facility Management koordiniert, die Technik prüft die Machbarkeit und die zuständige Entscheidungsperson gibt die notwendigen Mittel frei.
Der Aha-Moment: Erst der Vergleich zeigt den Erfolg
Eine optimierte Anlage ist gut. Eine nachweislich optimierte Anlage ist besser.
Vergleichen Sie den Energieverbrauch vor und nach einer Massnahme. Berücksichtigen Sie dabei Veränderungen durch Wetter, Nutzung oder Betriebszeiten. So vermeiden Sie, dass beispielsweise ein milder Winter als technische Einsparung gefeiert wird.
Mit einem passenden Energiemonitoring lassen sich Entwicklungen nachvollziehen und weitere Massnahmen gezielter planen.
Für diesen Weg braucht es nicht zwingend eine grosse Investition. Ein kleiner, gut dokumentierter Erfolg kann bereits die Grundlage für die nächsten Entscheidungen schaffen.
Häufige Fragen zum Massnahmenplan
Wie beginne ich ohne vollständige Energiedaten?
Starten Sie mit Energierechnungen, verfügbaren Zählerständen und bekannten Betriebszeiten. Fehlende Informationen können Sie gezielt ergänzen.
Wie viele Massnahmen sollte ich gleichzeitig umsetzen?
Beginnen Sie mit einer bis drei gut überschaubaren Massnahmen. Entscheidend ist, dass Zuständigkeiten, Termine und Erfolgskriterien klar sind.
Wer sollte den Massnahmenplan führen?
Idealerweise eine koordinierende Person aus dem Facility Management oder Energiemanagement. Die technische Umsetzung und die Budgetfreigabe können bei anderen Verantwortlichen liegen.
Wann sollte ich den Erfolg kontrollieren?
Sobald aussagekräftige Verbrauchsdaten nach der Umsetzung vorliegen. Je nach Massnahme sind mehrere Wochen oder eine längere Beobachtungsperiode sinnvoll.
Fazit: Kleine Schritte, sichtbare Erfolge
Ein guter Massnahmenplan für mehr Energieeffizienz muss weder kompliziert noch umfangreich sein. Entscheidend ist ein Ablauf, der Orientierung schafft: Standort bestimmen, Massnahmen priorisieren, umsetzen und Ergebnisse prüfen.
Beginnen Sie mit einer Anlage und einer konkreten Verbesserung. Halten Sie Verantwortung, Termin und Erfolgskriterium fest. Damit wird aus dem guten Vorsatz ein sichtbarer Fortschritt.
Und das Beste: Wenn die erste Massnahme funktioniert, macht die nächste gleich doppelt so viel Freude.
👉 Prüfen Sie Ihre ersten Optimierungsmöglichkeiten: Gebäudetechnische Anlagen optimieren
👉 Planen Sie Ihren nächsten Schritt mit Tetrag: Energieberatung und Optimierung
Kontakt

Stephan Tomek: Geschäftsführer
Stephan Tomek verfügt über langjährige Erfahrung in der Energiewirtschaft sowie in der Planung und Umsetzung komplexer IT- und Energiemanagementprojekte. Seine Stärken liegen in der Systemintegration, im Energiecontrolling und in der Entwicklung ganzheitlicher Konzepte zur Energieeffizienz und Suffizienz – insbesondere im Bereich Smart Building. Mit seiner Doppelqualifikation als Wirtschafts- und Informatikingenieur ist er in der Lage, technische und wirtschaftliche Anforderungen optimal zu verbinden.